Forellenangeln im Sommer: Hitze, Köder und beste Zeiten

Im Sommer entscheidet nicht dein Köder, sondern das Thermometer. Ab 18 bis 20 Grad Wassertemperatur steht die Regenbogenforelle unter Stress, ab 23 Grad wird es für sie gefährlich. Wer das versteht, weiß, warum die Fische ab Mittag nicht mehr beißen und warum manche Anlage im Hochsommer den Besatz stoppt.

Stand: August 2026 · Fachangaben an amtlichen Quellen geprüft

Der Sommer ist am Forellenteich die schwierigste Jahreszeit, und das hat einen biologischen Grund. Die Regenbogenforelle ist ein Kaltwasserfisch. Ihr Wohlfühlbereich endet dort, wo unser Badewetter anfängt.

Die eine Zahl, die alles erklärt: Der Fischgesundheitsdienst Bayern schreibt, dass Forellen ab 18 bis 20 Grad bereits gestresst sind. Bei längerfristigen Temperaturen über 23 Grad steigt das Risiko, dass sie an Temperaturstress verenden. Alles, was du im Sommer am Teich beobachtest, hängt daran.

Warum die Forelle bei Hitze aufhört zu fressen

Die Fresslust der Regenbogenforelle ist laut FAO zwischen rund 7 und 18 Grad optimal. Oberhalb davon sinkt die Nahrungsaufnahme steil ab und hört schließlich ganz auf. Für Salmoniden gilt 16 Grad als oberes Ende des Optimalbereichs. Das ist kein Beißfaulheits-Problem, sondern Stoffwechsel.

Dazu kommt der eigentliche Mechanismus, die Sauerstoff-Schere: Mit steigender Temperatur steigt der Sauerstoffbedarf der Fische, während die Löslichkeit von Sauerstoff im Wasser gleichzeitig sinkt. Zwei Kurven laufen auseinander, und der Fisch sitzt dazwischen.

WassertemperaturSauerstoff maximal löslichWas das für die Forelle heißt
0 Grad14,6 mg/lreichlich Reserve
10 Grad11,3 mg/lOptimalbereich
15 Grad10,1 mg/lnoch gut, Fresslust hoch
20 Grad9,1 mg/lStressbereich beginnt
25 Grad8,2 mg/lkritisch, Verendungsrisiko

Sättigungswerte nach Landesportal Wasser Sachsen und internetchemie. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft nennt für Forellenartige als Schwellen: optimal ab 7,0 mg/l, eingeschränkt 6,0 bis 6,9 mg/l, kritisch bis 4,0 mg/l.

Was du als Angler daraus machst

1Früh da sein schlägt alles andere. Nachts kühlt das Wasser ab, der Sauerstoffgehalt ist morgens am höchsten. Die ersten Stunden nach Öffnung sind im Hochsommer regelmäßig die besten, und zwar aus messbaren Gründen, nicht aus Anglerfolklore.

2Such das kühlere Wasser, nicht den bequemen Platz. Zuläufe, beschattete Ufer und tiefere Bereiche liegen kühler. Beschattung allein hält laut Bayerischem Landwirtschaftlichem Wochenblatt die Temperatur um bis zu 1 bis 2 Grad niedriger. Das klingt wenig, ist aber genau die Spanne zwischen Stress und Wohlfühlen.

3Kühlbox gehört zur Pflichtausrüstung. Nicht als Komfort, sondern weil gefangener Fisch bei 30 Grad Lufttemperatur in Minuten verdirbt. Was sonst noch mitmuss, steht in unserer Packliste für den Forellenteich.

4Wenn du zurücksetzen willst, denk an die Rechtslage. Zurücksetzen ohne vernünftigen Grund ist in Deutschland nach dem Tierschutzgesetz nicht zulässig. Muss ein Fisch zurück, dann ohne Aufenthalt an der Luft und mit vorsichtigem Lösen des Hakens im Wasser, so empfiehlt es der Anglerverband Niedersachsen.

Nachtangeln: die unterschätzte Sommerlösung

Wenn tagsüber nichts geht, verlegst du die Angelzeit. In unserem Verzeichnis erlauben derzeit 48 aktive Anlagen ausdrücklich Nachtangeln, 26 davon bieten 24- oder 48-Stunden-Karten. Das ist keine Nische mehr, sondern ein eigenes Angebot, und im Hochsommer oft die einzige Zeit mit vernünftigen Wassertemperaturen.

Rechtlich ist das inzwischen entspannter als früher: Baden-Württemberg hat das allgemeine Nachtangelverbot zum 3. Februar 2022 gestrichen, wie der Deutsche Angelfischerverband berichtet. Ausnahmen bestehen dort nur noch am Bodensee und am Kraftwerkskanal Rheinau. Was an deiner Wunschanlage gilt, steht auf der jeweiligen Detailseite bei uns.

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Warum manche Anlage im Sommer dichtmacht

Wenn du im Juli vor einem geschlossenen Teich stehst, ist das meistens keine Schikane, sondern Fischschutz. Betreiber stehen im Hochsommer vor einem echten Problem: Sie dürfen nicht besetzen, weil Transport bei Wassertemperaturen über 18 Grad laut Bayerischer Landesanstalt für Landwirtschaft vermieden werden soll. Und sie müssen die Fütterung zurücknehmen, weil die Verdauung zusätzlich Sauerstoff kostet.

Dazu kommt die Krankheitslage. Der Fischgesundheitsdienst nennt eine kritische Temperaturschwelle von 14 bis 16 Grad, ab der typische Forellenkrankheiten auftreten. Die Proliferative Nierenerkrankung PKD hat ihre Schwelle bei 14 Grad, Medikamente dagegen gibt es nicht. Der Großteil der behandlungsbedürftigen Furunkulose-Ausbrüche fällt in die Monate Juni bis September.

Nach dem Gewitter ist Vorsicht angesagt. Ein plötzlicher Luftdruckabfall kann laut Fachliteratur Fischsterben auslösen, meist trifft es Regenbogenforellen. Wenn du nach einem Wetterumschwung auffällig viele Fische an der Oberfläche siehst, ist das kein Beißverhalten, sondern Sauerstoffnot. Sag dem Betreiber Bescheid, statt weiterzuangeln.

Bei extremer Hitze empfehlen Fischereiverbände sogar ausdrücklich, das Angeln in Salmonidengewässern zu lassen, um die gestressten Fische zu schonen. Wie das konkret aussieht und warum dann auch kein frischer Besatz kommt, haben wir im Detail aufgeschrieben: Hitze am Forellenteich und warum kein Besatz kommt.

Häufige Fragen

Beißen Forellen bei 30 Grad Lufttemperatur überhaupt noch?
Entscheidend ist nicht die Luft, sondern das Wasser. Liegt die Wassertemperatur über 18 Grad, sinkt die Fresslust deutlich, oberhalb von 20 Grad steht der Fisch im Stressbereich. In tiefen, quellgespeisten Teichen bleibt das Wasser deutlich kühler als in flachen Anlagen, deshalb lohnt der Anruf vorher.

Wann ist im Sommer die beste Zeit zum Angeln?
Die frühen Morgenstunden, weil das Wasser nachts abkühlt und der Sauerstoffgehalt dann am höchsten ist. Wo Nachtangeln erlaubt ist, sind die späten Abendstunden die zweite gute Option.

Warum setzt mein Teich im Sommer keine Forellen ein?
Weil der Transport bei über 18 Grad Wassertemperatur vermieden werden soll und frisch besetzte Fische in warmem Wasser schlechte Überlebenschancen haben. Seriöse Betreiber warten damit bis zum Herbst.

Darf ich am Forellensee nachts angeln?
Das entscheidet die Anlage, nicht nur das Land. Baden-Württemberg hat sein allgemeines Nachtangelverbot 2022 gestrichen. Bei uns sind aktuell 48 aktive Anlagen mit ausdrücklich erlaubtem Nachtangeln gelistet.

Sind Forellenteiche im Sommer geschlossen?
Die meisten nicht, aber einzelne Anlagen reduzieren Besatz oder machen eine Sommerpause, wenn das Wasser zu warm wird. Das ist Fischschutz und ein gutes Zeichen für den Betrieb.

Kurz gesagt: Im Sommer angelst du früh, tief und im Schatten, oder du angelst nachts. Und wenn der Betreiber sagt, es ist zu warm für Besatz, dann stimmt das. Weiter geht es mit der besten Jahreszeit: Forellenangeln im Herbst.

Quellen: Fischgesundheitsdienst TGD Bayern (Steinbauer 2022) zu Temperaturstress, Krankheitsschwellen und PKD; FAO Fisheries and Aquaculture Technical Paper 561 zur Fresslustkurve; Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt 25/2020 zu Sauerstoff-Schere und Beschattung; Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft zu Sauerstoffschwellen und Fischtransport; Landesportal Wasser Sachsen zu Sättigungswerten; Deutscher Angelfischerverband zum Nachtangelverbot Baden-Württemberg; Anglerverband Niedersachsen zum schonenden Zurücksetzen. Abgerufen im August 2026. Angaben ohne Gewähr, verbindlich sind die Regeln der jeweiligen Anlage.

FTforellenteich.net, Redaktion
Seit 2009 sammeln wir Forellenteiche in Deutschland, aktuell über 450 Anlagen. Für diesen Ratgeber haben wir die Fachangaben einzeln an amtlichen Quellen geprüft und die Verfügbarkeits-Zahlen aus unserem eigenen Anlagenbestand gezählt. Wo die Fachwelt keine belastbare Zahl hergibt, sagen wir das.