Artikel-Schlagworte: „Fischereischein“

Immer wieder kommt die Frage auf, ob man einen Angelschein braucht, um an Forellenteichen zu angeln, oder ob auch ein Angeln ohne Angelschein erlaubt ist. Wir wissen alle, in Deutschland ist vieles bis ins kleinste Detail gesetztlich geregelt. So auch das Angeln. Darüber kann man nun streiten, es gibt gute Argumente für beiden Seiten. Einerseits ist es auf jeden Fall sinnvoll, das man weiß, wie man Fische möglichst schonend fängt und wie man sie waidgerecht tötet. Andererseits sind die uneinheitlichen Gesetztgebungen auf Landesebene teilweise sehr verwirrend und gerade für den Tourismus hinderlich.

Was ist der Angelschein genau?

Wenn wir von Angelschein sprechen, meinen wir den Fischereischein in Deutschland. Den Fischereischein erlangt man, indem man die (Sport-) Fischerprüfung ablegt. Da das Fischereirecht in Deutschland auf Länderebene geregelt ist, hat auch jedes Bundesland unterschiedlich ausgelegte Fischereigesetzte. Je nach Bundesland müssen unterschiedliche Vorausetzungen für das Erlangen eines Angelscheins erfüllt sein, grundsätzlich lässt sich aber festhalten, dass man:

  • Einen Vorbereitungskurs ablegen muss (nicht in jedem Bundesland)
  • Die Fischereischeinprüfung ablegen muss
  • Mit dem Fischereinschein kann man dann einen Fischereierlaubnisschein (Gewässerschein) für ein beliebige Gewässer erwerben

Macht ein Vorbereitungskurs Sinn?

Er kann auf jeden Fall nicht schaden. Wie schon beschrieben, ist das auch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. So scheint in Bayern ein Vorbereitungskurs Pflicht zu sein, wohingegen ich in Nordrhein-Westfalen die Prüfung auch ohne Vorbereitungskurs ablegen (und bestehen) durfte, allerdings angel ich auch schon seit meinem 10. Lebensjahr. Zudem heißt es ja, dass in Bayern und Baden-Württemberg die Prüfung deutlich umfangreicher und schwieriger sei, als in den übrigen Bundesländern. Wer mit dem Angeln gerade anfängt, der sollte wohl in jedem Fall einen Vorbereitungskurs absolvieren, gerade für den praktischen Teil, in dem man eine bestimmte Rutenkombination zusammenbauen muss.

Was wird in der Fischerprüfung erwartet?

Da die Anforderungen an die Fischerprüfung je nach Bundesland unterschiedlich sein könnten, empfehle ich jedem, die jeweiligen Anforderungen für sein Bundesland herauszufinden. Man findet die Gesetzgebung eigentlich ganz einfach, in dem man Fischereigesetz + Bundesland googelt. Der Einfachheit halber beschreibe ich mal die Anfoderungen für die Fischereiprüfung in NRW. Sie sind in der Verordnung über die Fischerprüfung (Fischerprüfungsordnung) §5 geregelt. Demnach besteht die Prüfung aus einem theoretischen Teil mit schriftlichen Fragen und einem praktischen Teil.

Der theoretische Teil behandelt folgende Themengebiete:

  1. Allgemeine Fischkunde,
  2. Spezielle Fischkunde,
  3. Gewässerkunde und Fischhege,
  4. Natur- und Tierschutz,
  5. Gerätekunde,
  6. Gesetzeskunde.

Aus ingesamt mehreren Hundert Fragen zu den jeweiligen Gebieten, werden für die Fischereischeinprüfung in NRW jeweils 10 für jedes Themengebiet aus der sogenannten Anlage 1, dem Fragenkatalog Fischereischein NRW, ausgewählt. Man muss also 60 Fragen nach dem Multiple-Choice-Verfahren möglichst richtig ankreuzen, dazu hat man in NRW 90 Minuten Zeit.

Der praktische Teil ist wie folgt aufgebaut:

  1. Muss man ein bestimmtes (aus 10 möglichen) Angelgerät waidgerecht zusammenbauen und notwendiges Zubehör hinzufügen. Das könnte zum Beispiel sowas wie “Stellen Sie eine beringte, leichte Angelrute zum Fang von Rotaugen, Rotfedern und Brassen und das weitere notwendige Zubehör waidgerecht zusammen” oder “Stellen Sie eine Angelrute zum Fang von Karpfen und das weitere notwendige Zubehör waidgerecht zusammen” sein. Alle 10 Fragen finden sich in Anlage 2 der Verordnung über die Fischerprüfung (Fischerprüfungsordnung).
  2. Im anderen praktischen Teil der Fischerprüfung muss man ausreichende Artenkenntnis der vorkommenden Fische, Neunaugen und Krebse nachweisen. Dazu werden euch in NRW 6 aus 44 Bildtafeln gezeigt, wovon ihr mindest 4 namentlich richtig benennen müsst. Die Fische, Neunaugen und Krebse, die ihr kennen müsst, findet ihr in Anlage 3 der Verordnung über die Fischerprüfung (Fischerprüfungsordnung) – hier entlang zu den 44 Bildtafeln der Fischereiprüfung in NRW.

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass wer gewissenhaft lernt die Prüfung ohne weiteres bestehen kann. Für diejenigen, die noch nie geangelt haben, wird der praktische Teil, bei dem man eine bestimmte Rute + Zubehör zusammenbauen muss, sicherlich nicht einfach. Hier empfehle ich ohnehin einen Vorbereitungskurs. Nach erfolgreicher Prüfung, könnt ihr mit eurem Prüfungszeugnis je nachdem beim Bürgeramt, Bürgerbeartung oder unteren Fischereibehörde euren Fischereischein abholen.

Wer braucht einen Jugendfischereischein, und was muss man dafür tun?

Grundsätzlich können Jugendliche ab dem 10. Lebensjahr einen Jugendfischereischein beantragen. Ab dem 14. Lebensjahr kann die Fischerprüfung dann abgelegt werden. Laut § 32 des Fischereigesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (Landesfischereigesetz – LFischG), berechtigt der Besitz eines Jugendfischereischeins nur zur Ausübung der Fischerei in Begleitung eines Inhabers eines Fischereischeines. Das heißt also, nur in Begleitung eines Besitzers eines Fischereischeines.

Kann ich jetzt ohne Angelschein angeln?

Also wer sich jetzt bis hierin alles durchgelesen hat, dem sollte klar sein, dass man in Deutschland die Fischereiprüfung abgelegt haben muss, um einen Fischereischein zu bekommen. Nur mit Fischereischein kann man für ein Gewässer einen Fischereierlaubnisschein erwerben, also zum Beispiel eine Tages-, Monats- oder Jahreskarte. Grundsätzlich ist es also nicht erlaubt, ohne Angelschein zu angeln. Seit 2012 gibt es in einige Bundesländern ausnahmen:

  • in Schleswig Holstein können Urlauberfischereischeine erworben werden, die das Angeln ohne Fischereischein und die dafür erforderliche Prüfung erlauben. Dies gilt wohl auch für Personen aus Schleswig Holstein selbst. Sie kosten 10 Euro, gelten jeweils 28 Tage und können dreimal im Kalenderjahr in Anspruch genommen werden.
  • Auch für Mecklenburg-Vorpommern gibt es mittlerweile einen sogenannten Touristenfischereischein. Diesen zeitlich befristetet Fischereischein kann jede Person, die älter als 10 Jahre ist, erwerben. Der Angelschein ist bis zu 28 Tagen gültig und kann bei Vorlage der Erstausstellung im Kalenderjahr (auch mehrfach) verlängert werden.

Soweit die gesetzlichen Grundlagen. Wie sind eure Erfahrungen zu dem Thema? Gerade die Meinung von Forellenteich-Besitzern würde mich mal interessieren? Ich selbst wurde nämlich noch nie (!) an einem Forellenteich nach meinem Angelschein gefragt. Haltet ihr die Gesetzgebung für zu streng oder sinnvoll? Würde mich über eure Meinung in den Kommentaren freuen.

 





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